SÜDKURIER Nr. 237 /61 Jahr vom 13.10.2005  Seite Panorama/Leute

Schauspielerin Alexandra Maria Lara spricht über ihren neuen Film

„Lieber nett als arrogant“

Mit 26 Jahren hat Alexandra Maria Lara mehr Filme gedreht als mancher Kinostar am Ende seiner Karriere. Dennoch zeigt sie keine Spur von Allüren. In „Der Fischer und seine Frau“ mimt die Wahl-Berlinerin die Modedesignerin Ida, die nie genug bekommt. Die Komödie von Doris Dörrie kommt am 27. Oktober in die Kinos.

Sie wirken bescheiden, bodenständig und zufrieden. Ida ist eher das Gegenteil. Hat Sie diese Rolle deshalb gereizt?

Das Reizvollste an Ida war für mich die extreme Entwicklung, die sie im Laufe des Films durchmacht. Es ist sehr spannend, eine Figur zu verkörpern, die sich so stark verändert: von der verträumten Rucksack- Touristin zur verwöhnten Furie.

Sie haben das Image des charmanten ungekünstelten Stars. Sind Sie es nicht leid, immer die Nette zu sein?

Über mein Image mache ich mir eher wenig Gedanken. Ich bin so wie ich bin. Und ich bin halt lieber nett als arrogant, auch wenn ich durchaus auch mal zickig sein kann.

Im Film gibt es Parallelen zu ihrem eigenen Leben, wie die rumänische Vorgeschichte. Wie kam es dazu?

Ich habe bereits zum zweiten Mal mit Doris Dörrie zusammengearbeitet. Bei den Dreharbeiten zu „Nackt“ hatte ich ihr meine Lebensgeschichte erzählt. Auch davon, wie meine Eltern mit mir 1983 von Rumänen nach West-Berlin geflüchtet sind. Das ist bei ihr irgendwie hängen geblieben, und beim Entwickeln des Drehbuchs hat sie an mich gedacht. So kam es zu Idas rumänischem Background.

Ihr Vater Valentin Platareanu ist ebenfalls Schauspieler. Jetzt schlüpfte er in die Rolle ihres Filmvaters. Wie ist es, mit dem eigenen Vater zusammenzuarbeiten?

Es war ja nicht unsere erste Zusammenarbeit. Dieses Jahr haben wir den Film „Offset“ in Rumänien zusammen gedreht, der Anfang 2006 in die Kinos kommt. Natürlich verläuft das nicht ganz ohne Reibungspunkte und kostet auch Nerven, eben weil wir uns sehr nahe stehen. Doch ich liebe es, mit meinem Vater zusammen zu arbeiten.

Was ist Ihr persönliches Rezept für dauerhaftes Liebesglück?

Leider habe ich keins. Aber ich denke, eine gute Beziehung basiert auf Vertrauen. Jeder muss auch seinen Freiraum haben. Man sollte kompromissbereit sein und Fehler eingestehen können. Wenn man ehrlich zueinander ist und sich gegenseitig respektiert, hat man gute Chancen auf eine lange, glückliche Beziehung.

Gibt es etwas, das Ihnen Kopfschmerzen bereitet?

Da fällt mir das freie Reden ein. Ich kann zwar gut Texte von anderen interpretieren, aber sobald ich frei eine Rede halten soll, verspreche ich mich und habe weiche Knie. Wie beim Geburtstag meiner Oma.

FRAGEN: CLAUDIA PLESS